Diese beiden Tage, die man in Deutschland Wochenende nennt kann ich getrost zusammenfassen,

denn die sahen sich, was mein Betätigungsfeld betrifft doch recht ähnlich. Seit September hat der Rotary Club Cobourg das Ribfest vorbereitet, das von Freitag bis Sonntag stattfand. Diesem Ribfest möchte ich nun diesen Beitrag widmen, es war ja auch genug los! Das werden Sie vielleicht schon festgestellt haben, wenn Sie die Seite heruntergescrollt haben und feststellten mussten, dass der Text doch ziemlich lang ist. Da muss als schon was Wichtiges stattgefunden haben, oder? Aber das ist ja mein
persoenliches Tagebuch !!!
Noch einmal kurz zur Erläuterung: Ribfest heißt auf Deutsch Rippenfest. Wie der Name schon sagt gibt es dort Rippfleisch zu essen und zwar in Massen, nein in MASSEN! Deshalb könnte man dieses Ribfest durchaus auch als Fressfest bezeichnen. Insgesamt 6 Rippfleischstaende waren aufgebaut. Und wer keine Rippen essen wollte konnte sich auch an den anderen 4 Ständen mit allerlei Essbarem versorgen (z.B. mit einem der koestlichen gegrillten Mailskolben).
Eine Jury entscheidet, von wechem Stand das beste Fleisch und von welchem die beste Sauce kommt. Dann koennen die Besucher ebenfalls waehlen, welcher Stand der Beste sei. Das Waehlen ging ganz einfach: Man ennahm einer Dose einen "Wahlschein" (betont in Anfehrungszeichen! Eigentlich waren das Eintrittskarten. Da aber kein Eintritt verlangt wurde hat man diese umfunktioniert.) und steckte ihn in den entsprechenden Behaelter, der fuer seien Favoriten bestimmt war (Fuer die, die das nicht verstanden haben: man steckte den Zettel in den Eimer mit der Nummer 1, wenn man der Meiung war, dass der Ribber (Rippenhaendler) mit der Nummer 1 der beste war. Man steckte den Zettel in Eimer 2, wenn man fuer Ribber 2 stimmen wollte. Genauso verhielt es sich mit den Stimmen fuer die Ribber 3, 4, 5 und 6. Verstanden? Nein? Na dann kann ich Ihnen auch nicht mehr helfen!). Eigetlich idiotensicher, nicht aber fuer Kanadier. Ich weis nicht genau, ob es ihnen zu schwer oder zu leicht war, jedenfalls wude ich andauernd gefragt, wie das Voting (Voting=Wahl) funktioniere.
Die Gewinner aus den drei Kategorien "Best Ribbs", "Best Sauce" und "People's Choise" erhielten je einen Pokal. Der "Ribber" freut sich ueber jeden und stellt diesen zu seiner Smmlung vor seinem Stand zu Schau. Richtig gelesen: Vor jedem Stand ist eine beachtliche Sammlung von Pokalen von anderen Rippfesten. Die braucht zwar kein Mensch, schinden aber Eindruck und locken Meschen an. Allerdings hebt sich das auf, da vor jedem Stand ein solcher Pokaltisch steht. Damit ist aber noch nicht genug. Der Ribber laesst ein Banner bedrucken, das er ueber seinem Stand aufhaengt, sodass man den Stand kaum noch erkennen kann. Haupsache die Werbung ist gross genug und man macht Umsatz.
Apropos Umsatz: den hatten die Ribber nicht nur, weil so viele Menschen da waren (es waren am Samstag ueber 8000), sondern auch, weil die Preise ziemlich gesalzen waren. Fuer eine ganze Portion muss man schon stolze 20$ hinblaettern, fuer eine halbe 13$. Durch die Wahl war man ja auch gewissermassen gezwungen mehere Ribs zu essen, also noch mal Geld auszugeben (und noch fetter zu weden). Dazu muss man sagen, dass fuer mich (und sicherlich auch fuer andere Zeitgenossen) 1/2 Rippe als Mahlzeit gereicht hatte. (desalb dauerte die Wahl ja auch 3 Tage) Wie gesagt fuer meine Verhaeltnisse. Einmal war ich gezwugen mich mit einer Frau zu unterhalten, die darueber eine andere Meinung hatte. Zitat: "Ich habe zu viel gegessen. Mehr als 6 Rippen vertrage ich einfach nicht." Sie hatte auch einen entsprechenden Umfang.
Die Preise (hier im Sinne von Praemien oder Auszeichnungen) waren uebrigens sehr abwechselungsreich vereilt. Alle drei Pokale gingen an die Nummer 3. Auf dem Bild ist das der Stand mit der blauen Werbung (ganz rechts).
So ein Ribfest ist mit einem enormen Aufwand verbunden. Deshalb waren sich die Rotarier auch nicht zu fein die Tische abzuwischen, Muelleimer auszuleeren, das Gelaende zu bewachen (natuerlich war auch die Polizei praesent. Hierzulande mit schwarzer Uniformen), sprich (nahezu) alle anfallenden Arbeiten zu erledigen (die Rippen wollten die Haendler aber dann doch selber verkaufen !!! ) Da war ich mir natuerlich auch nicht zu fein. Eigentlich sollte ich ja allen Interessierten etwas ueber den Rotary Youth Exchange erzaehlen, da es aber keine Interessieten gab hat sich das erledigt und ich half dem Clubpraesidenten beim Muelleimerleeren. Als das erledigt war habe ich fuer den Rest des Abends (von um 3 bis um 9 !!!) Tische abgewischt. Da hatte ich gut zu tun, denn jeder, der Ribs gegessen hatte hat seinen Tisch alles andere als sauber hinterlassen. Auf den Ribs ist naemlich reichlich Sauce die gerne mal runtertropft. Das mit der Sauce ist sowiso lustig, denn Ribs isst man mit den Fingern. Nach dem Essen sind die Finger ziemlich stark angeschmiert (und das meine ich nicht im Sinne veraeppelt, veralbert oder auf die Schippe genommen, sondern richtig klebrig und rotgefaerbt (also von der Sauce und nicht vom eigenen Blut. So brutal ist man hier nicht und wenn doch, dann kommen sofort die rotarischen Securities und schimpfen!)), sodass man sie sich an dem mitgebrachtem oder von den Haendlern zur Verfuegung gestelltem Kuechenkrepp abwischen muss (hat man keines am Platz hat man echt ein Problem !!!), dann an den von uns Tischreinigern verteilten Feuchttuechlein etwas besser reinigen kann (Vorausgesetzt wir waren so gnaedig den Laeuten welche zu geben, die wurden naemlich recht schnell knapp) und dann an einer der mobilen Handwaschstationen entgueltig reinigen muss, um seine Batschehaendchen gleich wieder verschmutzen zu koennen, weil man sich wieder an einer der sehr langen Schlangen anstellt um die naechsten Rippen zu probiern, voausgesetzt man kann so viel essen. (Zwischenfrage: Wer hat den diesen Satz auf Anhieb verstanden? Ich habe zur Vormulierung fast 10 Minuten gebraucht, weil ich immer wieder durchenander gekommen bin. Achten Sie diesen Satz bitte als ein Kunstwerk und als Zeichen meines fast unendlichen Ehrgeizes, aber ich will ja nicht angeben.)
Wir Sklaven des Festes hatten trotzdem unseren Spass. Schlieslich war das unser aller Freizeitbeschaeftigung und wir waren entsprechend gut gelaunt. In den Hauptbesuchszeiten sind wir aber wenig zum schwatzen und lachen gekommen, denn sobald jemand von den ca. 200 Tischen aufstand musste jemand zum Saubermachen zur Stelle sein, denn da wollten sich ja gleich wieder Laeute hinsetzen, denn leere Plaetze gingen weg wie warme Semmeln (oder Rippen). Nicht selten waren wir erst nach der Ankunft des naechsten Grueppchens da, sodass die noch kurz warten mussten, bis alles sauber war. Dafuer waren die meist sehr dankbar fuer unsere tolle und sinnvolle Freizeitbeschaeftigung. (Nicht wundern: mit wir meine ich die Arbeiterklasse, oder den kleinen Teil, der sich um die Sauberkeit kuemmerte. Ich moechte nicht in den Verruf geraten schwanger zu sein. Ich habe mein Geschlecht nicht gewechselt und habe auch nicht vor das zu tun.) Irgendwann hatte ein aelterer Herr so viel Mitleid mit mir, dass er mir einen Dollar Trinkgeld gab. Das war (bzw. ist) mein erstes eigenes kanadisches Geld. Insofern hat sich die Arbeit ja gelohnt.
Die Arbeit hat sich auch aus einem anderen Grund absulut gelohnt, naehmlich wegen er 1A Musikbegleitung! Die erste Band am Abend hat mich zwar nicht ganz so vom Hocker gerissen, aber die zweite: Da sang ein schwarzer Saenger mit einer Wahnsinns-Stimme. So gut habe ich echt noch keinen Bass singen gehoert und das meine ich ernst. Es ist durchaus moeglich, dass das der Originalsaenger war, dessen Lied in der Opel-Werbung zu hoeren ist. Jedenfalls hat er das auch gesungen und es klang genauso toll. Tja Pech fuer diejenigen, die waehrend der Webung den Ton abdrehen, denn die koennen sich jetzt nicht denken, wovon ich rede. Am Ende des Abends spielte dann die "Band of Gold". Die war echt goldig! Der Saenger war (oder ist!) Rotarier und war mir daher schon bekannt. Die Band hat haupsaechlich Oldies gespielt und die klangen taeuschend echt nach den Originalen (Zumindest die paar die ich kannte). Viele Festbesucher haben zu ihrer Musik getanzt. Na ja, ich musste arbeiten... (Zum Glueck, das sollte jetzt nicht bedeuten, dass ich mit 40+ (auch bekannt als Midlifecrisies) uebermaessig gerne das Tanzbein schwinge.)
Man erklaere mich jetzt bitte nicht fuer verueckt, oder nicht zurechnungsfaehig, aber ich habe mich am darauf folgenden Tag noch einmal dazu bereit erklaert noch einmal Tische zu schrubben. Gruende: da kam keine Langeweile auf und ich war unter vielen netten Laeuten. Dafuer war man mir recht dankbar und wollte mir eine der besseren Aufgaben zukommen lassen. Die besseren Aufgaben waren: Bier ausschenken. Da gab es nur ein kleines Problem: Ich war (bzw. bin) noch keine 18 und unter diesem Alter darf man hier in Kandada noch nicht einmal Alkohol riechen. Also "durfte" ich wieder Tische vom Schmutz befreien.
Apropos Alkohol: da haben sich die Kanadier echt affig. Man darf nicht mehr als 4 alkoholische Getraenke kaufen. Um das zu kontrollieren werden die Getraenke nicht an der Bar im Bierzelt bezhlt (da wurden sie nur abgeholt), sondern in einem Zelt davor. Da darf man sich gegen Vorlage eines staatlichen Dokumentes (z.B. eines Personalausweises) 4 Gtraenkekarten kaufen. Der Einfachheit halber gab es dort auch Marken fuer nichtalkoholische Getraenke. Das waere ja auch sehr umstaendlich, wenn man es anders machen wuerde. Wenn man die Marken hat, darf man hoechtens 2 auf einmal einloesen. So sind sie die Kanadier: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Es macht ja auch einen schlechten Eindruck, wenn bei einem Volksfest einige etwas staerker alkoholisiert sind.
Apropos Volksfest: damit es dem Besucher nicht langweilig wurde hatten hinter dem Festgelaende einige Schausteller ihre Fahrgeschaefte aufgebaut. Die meisten waren fuer Kinder.
Natuerlich gab es auch am zweiten Tag (Eigentlich war es ja der dritte. Es war aber der zweite Tag fuer mich) Musik. Zuerst sehr guten Jazz, danach Roch n' Roll. Diese Kuenstler haben mich durch den perfekten Umgang mit ihren Instrumenten stark beeindruckt.
Gott sei Dank war am zweiten Tag (So, das schreibe ich jetzt nicht dauernd in Klammern daahinter! Wenn vom 2. Tag die Rede ist, dann ist das der dritte Festtag und der zweite Arbeistag fuer mich gemeint) der Andrang nicht so gewaltig. Auch war mehr "Reinigungspersonal" da (Man hat wohl dazu gelernt!). So konnte ich doch noch ein paar "bessere" Aufgaben erledigen: Minibrezeln in Schuesselchen portionieren (Das war ganz einfach, weil die Brezelchen vom Grosshaendler in entsprechen grossen Verpackungen kamen. da konnte ich die Schuesseln als Schaeufelchen verwenden) und diese dann auf den Tischen verteilen. Als Highlight durfte ich sogar Kugelschreiber kaufen gehen.
Zum Dank fuer meine freiwillige, ausdauernde und anstrengende Arbeit habe ich ein Werbe-T-shirt und (m)eine Schuerze geschenkt bekommen, die ich waehrend der Arbeit immer getragen habe.
Ich koennte noch einiges mehr erzaehlen, z.B., dass ich, als es dann dunkel wurde, mit einer Taschenlampe die Tische nach Schmutz absuchen musste, sonst haette ich ihn nicht gesehen, aber ich bin ja freundlich zu unserer lesefaulen Nation und schreibe nicht noch, dass ich hunderte male den gleichen Witz anhoeren musste (You have a nice job, haevn't you? - Du hast einen tollen Job, gelle?), oder dass meine "Arbeigeber" sich staendig darum sorgten, dass ich auch genug zu essen hatte, nein, das erwaehne ich nicht noch. Ja so freundlich bin ich. (Das ist mein Dauerzustand, aber ich bin ja kein Angeber ... )