Freitag, 17. August 2007

Tag zwei: Zeit etwas Neues kennen zu lernen

Trotzdessen, dass ich am Vortag todmuede in meine Koje gefallen bin, bin ich bereits 10 nach 7 aufgewacht. Das wuerde mir in Deutschland nie im Leben einfallen, weil ich eigentlich Langschlaefer bin. Dafuer hat es aber ueber 2 Stunden gedauert, um richtig munter zu werden. Trotsdem war ich der Erste von der juengeren Fraktion des Hauses, der es geschafft hatte sich aus seinen Federn zu erheben. Mein Gastvater war auf Arbeit und meine Gastmutter war schon im Haus am Werkeln. Sonst war nur noch der Hund wach.

Zuerst hat man sich verpflichtet gefuehlt mir die Kueche vorzustellen (Kueche, das ist Georg, Georg, das ist die Kueche (Also ganz so schlimm war es natuerlich nicht. Man hat mir die Kueche nur gezeigt, aber ich fand meinen Ausdrucksfehler so lustig)). In die Handhabung von Schraenken bin ich ja einigermassen vertraut, der Kuehlschrank war aber schon etwas Besonderes. Er ist geraeumiger, als unsere deutschen (warum wohl?) und hat zwei Tueren. An der einen kann man aussen Wasser abzapfen (was vorher wohl gut gefiltert wurde), sowie Eiswuerfel entnehmen. So sind alle Getraenke kuehl.

Zum Fruehstueck gibt es hier Toast oder Cornflakes.

Spaeter am Tag (als dann alle wach waren: so gegen 12 Uhr) wurde ich auf eine Sritztour durch meinen neuen Heimatort Cobourg eingeladen. Cobourg ist eine Stadt mit 18 000 Einwohnern und uebrigens Partnerstadt mit unserem deutschen Coburg. Das aelteste Gebaeude (meine Schule) ist gerade einmal 120 Jahre alt. Fuer kanadische Verhaeltnisse ist das sehr alt.

Cobourg liegt direkt am Ontariosee in der Provinz Ontario. Die Region um den Ort nennt man Northumberland. In Cobourg ist einer der wenigen sauberen (und wegen der hohen Temperaturen an diesem Tag gut besuchten) Sandstraende. Desweiteren gibt es einen kleinen Hafen. Angeblich soll Elton John hier einen Steg haben. Er wurde aber noch nie hier gesehen. So kann man einen Hafen auch zu etwas Besonderem machen...

Ich habe festgestellt, dass es hier extrem viele Fast-Food-Filialen gibt. Ich habe zwar nicht gezaehlt, wuerde aber 30 oder mehr schaetzen. An dieser Stelle erinnere ich mich an die Tatsache, die ich festgestellt habe, dass an den Highwayabfahrten Schilder stehen, auf denen steht, welche und wie viele Fast-Food-Filialen es hinter der Abfahrt gibt (Toller Ausdruck gerade, oder?).

Dann sind wir einkaufen gegangen - in einem Discounter. Das Angebot ist ausserst vielfaeltig. Damit dem Kunden auch einfaellt, was man alles braucht ist alles ein bisschen zerztreut angeordnet. Zum Beispiel Bananen in der Cornflakes - Regalreihe. Richtig gelesen: eine ganze Regalreihe nur mit Cornflakes. Um die Kauflust zu steigern gibt es an den Regalen Vorrichtungen um Gutscheine abzurollen. Da kann man doch nicht etwa 5 ct sparen. An der Kasse legt man dann einen keinen Stapel mit lauter kleinen Gutscheinchen vor. Den Rabatt bekommt man wirklich. So kann man die Kauflust der Kunden auch steigern.

In "unserem" Supermarkt gab es eine reiche Auswahl an Obst und Gemuese (Slogan:" Unsere Waren sind frisch oder kostenlos"), wie mir gesagt wurde aber nur im Sommer. Im Winter sind Fruechte naemlich teuer und werden nicht so haeufig gekauft.

In den Supermaerkten kann man alles bekommen: von fertig geformtem Hackfleisch fuer den Grill bis zu abgepackten Eiswuerfeln. Zur Grillparty an diesem Abend ist so etwas tatsaechlich zum Einsatz gekommen.

An der Kasse erlebte ich die naechste Ueberraschung. Die Waren werden von der Verkaeuferin in Plastiktueten gepackt. So kann man sie gleich ins Auto schmeissen ind braucht die gute alte Einkaufsbox nicht mehr.

Am Abend war dann Grillparty (BBQ) angesagt. Da lernte ich eine ganze Menge Laute kennen. Viele waren das, was einige faelschlicherweise als verrueckt bezeichnen. Das sind oft sehr gescheite Laeute, die nur einen kleinen lustigen Tick haben, den sie auch als Witz verstehen. (Ich kann das gut nachvollziehen, da ich selbt einer von der Sorte sein kann) Beispielsweise wollte eine immer Princess genannt werden. Diesen Gefallen tat ihr nur niemand. Als ich sie dann doch Princess genannt habe war sie hoechst erfreut und ich wusste, dass ich mich da sehr beliebt gemacht habe (Zitat:" Oooooooooohhhhhhhhhhhhhhh!!!!!!!!!!! Nice kid!!!")

Auch lernte ich zwei meiner Gastfamilien kennen. Es sei zur Aufklaerung mal gesagt, dass ich 4 Gastfamilien haben werde und die Laeute, bei denen ich jetzt wohne nur uebergangsweise sind, da die "richtige" erste Gastfamilie gerade in Deutschland auf Urlaub ist.

Das kanadische Essen ist ganz anders, als in Deutschland. Es ist fuer mein Empfinden um einiges zu salzig.

Waehrend des Abend musste ich oft die gleichen Fragen von unterschiedlichen Laeuten beantworten, aber man ist ja fraeundlich und beantwortet diese gerne.

Dann wurde ich ins Kino eingeladen. Da lernte ich gleich noch einmal einige Freundinnen (und deren Freunde) einer meiner 3 Gastschwestern kennen. Der Film war gut gemacht, auch wenn ich ihn nicht vertanden hab aus folgenden Gruenden:
  1. Die Handlung war ohnehin verwirrend
  2. Der Film hatte bereits zwei Vorgaenger
  3. Es war die Verfilmung einer Buchreihe, die man besser vorher haette lesen sollen.
  4. Ich bin sprachlich gehanykapt

Auch war es im Kinosaal sehr kalt.

Das Kino befand sich in einer grossen "Mall" - Einkaufszentrum, welches 24 Stunden am Tag und 7 Tage die Woche geoeffnet hat, auch wenn die meisten Geschaefte geschlossen haben. Laesst sich halt besser vermarkten. Stehlen waehere (theoretisch) leicht, weil die meisten Aussenauslagen nur mit einem Tuch abgedeckt werden. Es wird aber nichts geklaut. Auch ist an einigen (wenigen) Stellen die Polizei praesent.

Es war ein sehr erlebnisreicher Tag, deshalb ist mein Bericht auch etwas laenger ausgefallen. Vielen Dank und herzlichen Glueckwunsch an alle, die beim Lesen durchgehalten haben.