Wie jeden Freitag trifft sich der Rotary Club Cobourg zum Meeting im Best Western Hotel. Der Ablauf war genau der gleiche, wie letzte Woche beim Ribfest: Zuerst das grosse Essen, danach Punkt 12:30 Uhr ist der offizielle Beginn. Kurz ein paar Worte zum Essen: Es gab ein sehr reichhaltiges Bufett und mehrere warme Speisen zur Auswahl. Ich entschied mich fuer Nudeln und Hackfleischbaellchen. Das hat sehr gut geschmeckt. Dazu gab es eine Menge Salat und natuerlich einen Nachtisch. Zum Nachtisch gab es Kuchen. Das isst man deshalb zum Nachtisch, weil die Kanadier keine Nachmittagsmalzeit haben. Mein Kuchen schmeckte nach Spekulazius. Ich probierte auch noch "Pudding". Das ist nicht das, was wir unter Pudding verstehen, sondern im Prinzip zermatschter Obstkuchen im Glas serviert. So vielseitig ist der Nachtisch in Kanada. Man serviert das Gleiche mal so, mal so: Guten Appetit!
Zu Beginn des Meetings wird eine Art rotarische Hymmne gesungen, danach eine richtige, naemlich die kanadische, Im Anschluss singt man noch ein weiteres Lied bzw. wird eines vorgesungen. In Falle dieses Meetings musste ein jeder noch einmal selbst sein Stimmchen bemuehen, den der Kanon "Row, row, row your boat" sollte in dem Saale klingen. Danach folgten weitere kleinere "Amtshandlungen", die ich jezt nich naeher erlaeutern moechte, sonst kommen wieder Beschwerden, dass die Berichte zu lang seien. Kern des Meetings ist ein Vortrag. In diesem Falle sprach ein aelterer Rotarier ueber sein Leben, jedoch habe ich nur sehr wenig verstanden. Gegen 13:30 sind die Meetings beendet.
An meinem Tisch sass uebrigens Bob Scott, der oberste Praesident der Rotary Foundation. Das ist das zweitwichtigste Amt im gesamten Rotary System. Das habe ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht gewusst, ist aber auch nicht so wichtig. Schlieslich sind es seine Eigenschaften, die einen guten Menschen ausmachen und nicht seine Aemter! Und Bob Scott ist ein sehr netter, freundlicher und vielseitig interessierter Mensch.
Nach dem Meeting wurden meine Koffer aus dem Sportwagen meines ersten Gastvaters in den Pickup meines Zweiten verladen. Der Einfachheit halber werde ich von dieser Stelle an verschleierte Namen verwenden: Mein erster Gastvater heist ab jetzt Counsellor (denn das ist sein Amt im Rotary Youth Exchange Program) und mein zweiter Gastvater (fuer alle die im Bilde sind: eigentlich mein Jugenddiestbeauftragter) soll ab jetzt Paul McIntosh heissen.
Paul fuhr mich also in seinem Pickup nach Roseneath, wo sein Haus steht. Dieses befindet sich auf dem Gelaende eines Bauernhofes, zu dem auch einige grosse Felder und ein paar Kuehe gehoeren. Mit dem Bauern hat Paul aber nur sehr wenig zu tun. Er klaut nur hin und wieder ein paar Maiskolben (die er an die Waldtiere verfuettert) und nutzt die Waelder die mit zum Gehoeft gehoeren als Jagdrevier. Zu diesem Jagdrevier gehoeren noch andere Waldteile, so dass es ziemlich gross ist. Als wir ankamen wurden wir von Karen (seiner Frau) herzlich begruesst. Da die beiden erst vor kurzem eingezogen waren, sah es in einigen Raeumen noch aus, wie bei Hempels unter'm Sofa, aber ich will mich ja nicht beklagen. Leider sind die McIntoshs kinderlos und leben etwas abseits der Zivilisation, dafuer aber in einer traumhaften Landschaft eingebettet.
Jeden freitag Abend gehen die McIntoshs essen. Da war ich als ihr neuer Sohn natuerlich auch eingeladen. Karen musste noch einige Einkaeufe beim Discouter erledigen, also nutzten Paul und ich die Zeit, um uns eine Schleuse am nahen Kanal anzusehen. Leider war kein Betrieb.
Die Schleuse hatte gewaltige Ausmasse. Weil der Hoehenunterschied so gross war gab es eine Art "Zwischenetage". Ein Tor teilte die Schleuse in zwei Teile auf. So war der vordere Teil auf der Hoehe des Kanals und der hintere Teil auf der Hoehe des Flusses, auf welchem die Schiffe ja weiterfahren sollten. Fuhr ein Schiff ein, so schlossen sich alle Tore (was sonst) und zwischen dem vorderen und dem hinteren Teil wurde eine Verbindung geoeffnet, so dass sich der Wasserstand an beiden Teilen ausgleichen konnte. Dann wurde das mittlere Tor geoeffnet und das Schiff konnte in den zweiten Schleusenteil fahren. Von dort ging es dann wie in einer normalen Schleuse auf die jew. Hoehe. Grosse Hoehen - grosse Schleusen sag ich da nur.
Da Karen noch nicht fertig war mit einkaufen (typisch Frau!) fuhren Paul und ich noch zu einem weiteren technischen Geraet: eine Art Staumauer, mit der die Wassermenge in Fluss und Kanal gesteuert werden konnte. Teile dieser Anlage waren schon ueber 100 Jahre alt, stammen also fuer kanadische Verhaeltnisse aus dem Mittelalter.
Nachdem es auch Karen geschafft hatte den Weg aus dem Discouter zu finden ging es in ein sog. Familienrestaurant. Was an einem solchen und ganz speziell an dem Besuchten anders ist, als an einer normalen Gaststaette frage ich mich immer noch. Wahrscheinlich nur Werbung... Das Essen dort hat mich allerdings nicht so sehr vom Hocker gerissen. Meine Lasagne schmeckte eher wie Hausmannskost beim Resteessen. Ich weis nicht, ob man unbedingt Sellerie und saure Gurken in die Tomatensauce schnipseln muss. Dafuer waren die Portionen sehr reichlich und meine Gastgeber waren ueberascht, dass ich es geschafft hatte aufzuessen. Fazit: Ich habe an diesem Tag zwei mal gutes Essen aus professioneller Kueche bekommen und war daher ziemlich satt. So sind sie Kanadier: Wenn schon essen, dann richtig und da darf es auch ruhig etwas mehr sein. In diesem Sinne: geniessen Sie ihre Mahlzeit und freuen Sie sich auf den naechsten Eintrag auf diesen Seiten. Es gibt da noch einiges zu erzaehlen...